Projekt „Soziales Wels 2030“ zeigt Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten im Sozialbereich auf

Die Fakultät für Medizintechnik und Angewandte Sozialwissenschaften der FH OÖ in Linz wurde von der Stadt Wels mit dem Projekt „Soziales Wels 2030“ beauftragt. Ziel des Projekts war es, die empirischen Grundlagen für die strategische Sozialplanung der Stadt Wels zu schaffen, mögliche Szenarien und Trends für einzelne Handlungsfelder zu skizzieren sowie für ausgewählte Themenbereiche Good-Practice-Beispiele als Orientierung zur Verfügung zu stellen. Die Projektergebnisse sollen Ziele und Prioritäten insbesondere für folgende Handlungsfelder und Zielgruppen liefern: Kinder und Jugendliche, Senioren, Menschen mit Beeinträchtigung sowie armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen. Auf den folgenden Seiten werden die Forschungsergebnisse aus dem Teilbereich „Soziales“ präsentiert. Die jeweiligen Initiativen beziehungsweise Schlussfolgerungen der Stadt sind gelb hinterlegt. Die Teilergebnisse des Bereichs „Senioren“ wurden bereits bei einer Pressekonferenz vorgestellt, das Thema „Jugend“ wird folgen.

Seitens der Stadt besteht Offenheit für Kooperationen mit dem Land Oö. bezüglich Schaffung von dringend benötigten Wohnplätzen in Wels für Menschen mit Beeinträchtigungen. Im Rahmen der Armutsbekämpfung steuert Wels, unter anderem auch durch die Vergabe von Weihnachts- und Heizkostenzuschüssen, der Armut der Bürger entgegen. Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe wird der Präventionsgedanke in Form von verschiedenen Angeboten umfassend gelebt. Ziel ist es, die Ressourcen des sozialen Umfeldes – wie etwa das Freiwilligenengagement – besser zu nutzen.

Zitate

Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes der Fachhochschule zeigen, dass die Stadt Wels im Bereich Soziales sehr gut aufgestellt ist. Aus der Studie ergeben sich wichtige Schlussfolgerungen für die Zukunft.“

Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger: „Die Studie ist sehr komplex und zeigt auf, dass die Stadt Wels in vielen Bereichen sehr gut aufgestellt ist bzw. Vorbildfunktion erfüllt, aber auch Themen, bei denen noch Handlungsbedarf besteht.“

FH-Prof. Dr. Brigitta Nöbauer, Projektleiterin „Soziales Wels 2030“: „Speziell im Bereich Armut und in der Kinder- und Jugendhilfe bietet sich Sozialraum-bezogenes Arbeiten an. Mit den Quartiersansätzen hat die Stadt Wels bereits einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht.“
 

Zum Projekt

Die Projektergebnisse sollen Ziele und Prioritäten insbesondere für folgende Handlungsfelder und Zielgruppen liefern:

• Kinder und Jugendliche
• Senioren
• Menschen mit Beeinträchtigung
• Armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen

Auf Wunsch der Stadt Wels legten die Forscher ihren Fokus besonders auf folgende Themen:

• Abbildung des Ist-Standes: Welche Angebote sind vorhanden und welche Themen/Bedarfe können abgedeckt werden?
• Wo gibt es ‚blinde Flecken‘ (u.a. im Hinblick auf Zahlen, Daten bzw. Indikatoren)?
• Welche Best-Practice-Beispiele und Literaturempfehlungen (insbesondere in Bezug auf Trends, Entwicklungen) gibt es, bezogen auf einzelne Handlungsfelder?
• Welche Veränderungen und Trends sind in den einzelnen Feldern erkennbar? Dabei geht es weniger um den quantitativen, sondern um den qualitativen Aspekt.
• Der Zeithorizont sollte im Rückblick den Zeitraum 2000 bis 2015 umfassen und in der Vor-schau die Zeit bis 2030 berücksichtigen.
• Die Finanzierbarkeit ist ein wichtiger Gesichtspunkt bei den Überlegungen: Grundsätzlich sollte es um leistbare Lösungen gehen, das Ausloten von Synergien, auch zwischen verschiedenen Anbietern, sollte mitbedacht werden.
• Gewünscht wird das Aufzeigen innovativer Lösungen (z.B. mit Blick auf andere Städ-te/Länder).
• Migration sollte als Querschnittsthema in den einzelnen Handlungsfeldern mitbedacht wer-den.
• Auf methodisch-inhaltlicher Ebene sollten zeitgemäße Konzepte und Wege zu einer innovativen, modernen Sozialplanung aufgezeigt werden.


Die Abbildung zeigt die Realisierungsschritte des Projektes.

Drei Professoren forschten seitens des Departments für Gesundheits-, Sozial- und Public Management an der Fakultät für Medizintechnik und Angewandte Sozialwissenschaften für ein Soziales Wels 2030:
• FH-Prof. Dr. Brigitta Nöbauer als Projektleiterin
• FH-Prof. Dr. Renate Kränzl-Nagl als stellvertretende Projektleiterin (ab 1.2.2016) und methodische Begleitung sowie
• FH-Prof. Dr. Anton Konrad Riedl (stellvertretender Projektleiter bis 31.1.2016)

Außerdem waren für das Projekt zwischen November 2015 und November 2016 zwei wissenschaftliche Mitarbeiter in einem Stundenausmaß von 13 und zehn – in den letzten Monaten 20 – Wochenstunden beschäftigt. Dies ergibt über die Projektlaufzeit insgesamt mehr als 2000 Stunden an wissenschaftlicher Arbeit. Zusätzlich wurden im Rahmen von Lehrveranstaltungen und Abschlussarbeiten des Departments für Gesundheits-, Sozial- und Public Management ausgewählte Aspekte des Projektes ‚Soziales Wels 2030‘ bearbeitet.
 

Chancengleichheit: Menschen mit Beeinträchtigung in der Stadt Wels – Ausgangssituation und Gestaltungsoptionen

Unter ‚Menschen mit Beeinträchtigung‘ werden in der Sozialplanung sowohl Menschen mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen als auch Menschen mit psychischen oder Suchterkrankungen verstanden. Für die Stadt Wels gibt es zu beiden Gruppen keine verlässlichen Zahlen.

Die Hauptzuständigkeit für die Angebote für Menschen mit Beeinträchtigung liegt beim Land Oberösterreich. Daher sind die Handlungsspielräume der Stadt Wels in Bezug auf Menschen mit Beeinträchtigung begrenzt. Rechtliche Basis ist das oberösterreichische Chancengleichheitsgesetz (ChG). Es unterscheidet zwischen Hauptleistungen wie etwa Wohnen, Arbeit und Beschäftigung beziehungsweise Frühförderung und sogenannten ‚ergänzenden Leistungen‘, zu denen vor allem Beratungsangebote zählen. Letztere sind in der Stadt Wels vor allem durch die Sozialpsychischen Beratungsdienste (Alkohol-/ Drogenberatung, etc.) abgedeckt.

Ausgaben im Bereich Chancengleichheit
Die Stadt Wels investierte 2015 knapp 8,8 Mio. Euro in Maßnahmen für ‚Chancengleichheit‘/Menschen mit Beeinträchtigung, das sind 12,7 Prozent des Sozialbudgets. 82 Prozent davon sind gesetzlich verpflichtende Zahlungen, die die Stadt Wels nur bedingt beeinflussen kann. Diese Zahlungen sind seit 2008 stark gestiegen. Die restlichen 18 Prozent der Ausgaben werden vor allem für die Sozialpsychischen Beratungsdienste aufgewendet.

Eine Einschätzung der Angebote und Leistungen im Bereich Chancengleichheit und Sozialpsychische Beratungsdienste in Wels zeigt folgendes Bild:

• Hinsichtlich der Beschäftigungsquote für Menschen mit Beeinträchtigung erfüllt die Stadt Wels als Arbeitgeberin eine Vorbildfunktion. Ein weiterer Schritt könnte durch Sensibilisierung und Aktivierung regionaler Wirtschaftsbetriebe gesetzt werden, damit diese mehr Menschen mit Beeinträchtigung einstellen. Dies würde auch eine Entlastung des öffentlichen Haushalts bedeuten, weil weniger Werkstätten finanziert werden müssten.
• Handlungsbedarf besteht in Oberösterreich im Bereich ‚Senioren mit Beeinträchtigung‘. Hier sollten verstärkt Synergien zwischen Behinderten- und Seniorenbereich geschaffen werden. Beispiele sind das Seniorenwohnhaus ‚Schloss Hall‘ der Caritas oder die Lebenshilfe Graz, die zwei Wohnhäuser für ältere Menschen mit Beeinträchtigung sowie eine Wohngemeinschaft im Seniorenheim Graz-Andritz betreibt. Die Stadt Wels plant mit einem Generationenwohnen, in dem auch Wohnraum für Menschen mit Beeinträchtigung zur Verfügung stehen soll, einen Schritt in diese Richtung.
• Im Bereich ‚Wohnen‘ wurde in der Stadt Wels durch eine Wohngemeinschaft von behinder-ten und nicht-behinderten Menschen ein zukunftsorientierter Schritt in Richtung Inklusion gesetzt. Die Wohngemeinschaft wird durch den Verein ‚Woge‘ betrieben und bietet insgesamt zwölf teilbetreute Wohnplätze.

Initiativen der Stadt
Seitens der Stadt Wels besteht Offenheit für Kooperationen mit dem Land Oö. bezüglich Schaffung von dringend benötigten Wohnplätzen in Wels für Menschen mit Beeinträchtigungen. Dazu wurde bereits eine Resolution an das Land gesendet. Ebenfalls wurde für diesen Personenkreis ein Ombudsmann installiert, dessen Kosten die Stadt Wels übernimmt.

Sozialpsychische Beratungsdienste

• Das Beratungsangebot ist in Wels breit aufgestellt und zielgruppengerecht. Die Verantwortlichen sind bestrebt, Bedarf zu antizipieren und Angebote anzupassen, soweit ihnen dies auf Grund ihrer Zuständigkeit möglich ist.
• Wenn Beratungsthemen mehrere Lebensbereiche tangieren, sollten Beratungsangebote stärker vernetzt werden, wie beispielsweise Spielsucht- und Schuldnerberatung oder The-men rund um Partnerschaft und Familie.
• Entwicklungsbedarf wird im Bereich der Information über Angebote und Leistungen gesehen. Zum Beispiel in Form von Orientierungshilfen über Erstanlaufstellen, Erstinformationen in elektronischer Form oder Verweise auf Angebote und Beratungsmöglichkeiten auf Ebene des Landes oder des Bundes.

Armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen:
Ausgangssituation und Gestaltungsoptionen

In Österreich sind rund 15 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet (Schätzungen für OÖ: etwa 13 Prozent). Als wichtigste Leitgröße bei der Armutsgefährdung gilt das sogenannte „Medianeinkom-men“ (auch mittleres Einkommen) bezeichnet,  das Einkommen, bei dem es genauso viele Men-schen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt. Als Schwelle zur Armutsge-fährdung gelten 60 Prozent dieses Medianeinkommens und ist in den einzelnen Ländern unter-schiedliche.  EU-SILC (European Community Statistics on Income and Living Conditions) ist eine Statistik über Einkommen  und Lebensbedingungen von Privathaushalten in Europa und bildet eine wichtige Grundlage für die Europäische Sozialstatistik. Laut EU-SILC 2014 liegt die Armutsgefährdungsschwelle in Österreich bei rund 13.926 Euro pro Jahr für einen Einpersonenhaushalt, ein Zwölftel davon entspricht einem Monatswert von 1.161 Euro. Die Anpassung für Mehrpersonenhaushalte erfolgt nach der EU-Skala, die die erste erwachsene Person im Haushalt mit einem Konsumäquivalent von 1, jeden weiteren Erwachsenen mit 0,5 und jedes Kind (bis 13 Jahre) mit 0,3 gewichtet.

So erhöht sich die Armutsgefährdungsschwelle für jede weitere erwachsene Person im Haushalt um rund 580, für jedes Kind unter 14 Jahren um rund 348 Euro. Im Haushaltseinkommen, das europaweit nach der gleichen Methode EU-SILC berechnet wird, ist alles real verfügbare Einkommen einbezogen, d.h. inkl. Familienbeihilfe, erhöhter Familienbeihilfe für behinderte Kinder, Alimente, Mindestsicherung, Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Kinderbetreuungsgeld, Wohnbeihilfe, Ausgleichszulage, etc. Einkommen, die 14-mal pro Jahr ausbezahlt werden sind auf 12 Teile umzurechnen.
Der Anteil der materiell deprivierten (= finanziell eingeschränkten) Personen ist ähnlich hoch, wobei der Anteil an Personen mit erheblicher materieller Deprivation rund vier Prozent beträgt – hier ist die Tendenz leicht rückläufig.


Betroffene Gruppen

Nach den Befunden der Armutsforschung sind folgende Personengruppen besonders von Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung betroffen:
• Personen unter 19 Jahren: Im Gegensatz zu diesem Personenkreis dürften bei älteren Men-schen die Pension und andere Sozialleistungen wie die Ausgleichszahlung gut gegen Armut und Ausgrenzung wirken. Die Armutsgefährdung nimmt mit dem Alter eher ab.
• Ein-Eltern-Familien und Mehrkind-Familien, deren Armutsgefährdung und Deprivation sich bei vielen Indikatoren zeigte.

Initiativen der Stadt
Schulbeginnunterstützung und finanzielle Zuschüsse bei Schulveranstaltungen helfen Familien in finanziell schwierigen Zeiten. Der Unterhaltsvorschuss (Alimentationsbevorschussung) dient der Sicherstellung des Unterhalts von minderjährigen Kindern, wenn ein Elternteil seinen Verpflichtungen zur Zahlung nicht (oder nicht regelmäßig) nachkommt. Zeichnen sich bei der Hereinbringung des Unterhalts Schwierigkeiten ab, kann der obsorgeberechtigte Elternteil den Kinder- und Jugendhilfeträger (das Jugendamt), zum Vertreter in Unterhaltsangelegenheiten bestellen. Das Jugendamt übernimmt es dann, die erforderlichen Anträge zu stellen, Erhö-hungsanträge einzubringen, den Eingang der Zahlungen zu überwachen und erforderlichenfalls Exekution zu führen. Der Elternteil, der das Jugendamt mit der Vertretung in Unterhaltsangelegenheiten betraut, bekommt das hereingebrachte Geld ausbezahlt und ist durch das Verfahren nicht belastet.

• Personen mit keiner oder nur geringer Erwerbsintensität: Arbeitslose bzw. Arbeitssuchende, Personen die ausschließlich im Haushalt tätig sind (das betrifft vor allem Frauen), gering-fügig Beschäftigte etc. sind unter den Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten besonders häufig vertreten.
• Erwerbsunterbrechungen erweisen sich dabei generell als Risikofaktor, vor allem in biografischer Perspektive. Darauf verweisen Studien zu den Auswirkungen der Unterbrechung - oder sogar einer Aufgabe - der Erwerbstätigkeit infolge der Geburt von Kindern oder der Pflegebedürftigkeit von älteren Menschen. Dies gilt insbesondere für Frauen.
• Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sind ebenfalls besonders armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Vor allem die „NEET-Jugendlichen“ (NEET= Not in Education, Employment and Training) stellen eine besonders gefährdete Gruppe dar.

Initiativen der Stadt
Gerade auch hier versucht die Stadt Wels durch den Einsatz von Streetworkern gegenzusteuern. Diese versuchen Jugendliche, die durch herkömmliche Einrichtungen nicht erreicht werden können, zu motivieren und zu unterstützen, div. vorhandene Bildungs- und Beschäftigungsangebote wahrzunehmen (z.B. auch im Rahmen der Jobpatenschaft).

• Ebenso Personen in prekären Beschäftigungsverhältnissen (working poor), die trotz Erwerbstätigkeit armuts- und ausgrenzungsgefährdet sind. Deren Jobs sind durch niedrige Löhne, eine niedrige berufliche Stellung oder ein geringes Beschäftigungsausmaß gekennzeichnet.
• Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft weisen ebenfalls ein höheres Risiko auf, armuts- und ausgrenzungsgefährdet zu sein. Flüchtlinge und Asylwerber stellen dabei eine besonders hilfsbedürftige Gruppe dar.
• Bei hochverschuldeten Personen sowie Wohnungslosen kann von einem hohen Maß an Einkommensarmut ausgegangen werden – Zielgruppen, die im Rahmen der Sozialplanung ebenfalls zu berücksichtigen sind.

Initiativen der Stadt:

In der Stadt Wels werden diesbezüglich bereits Schuldnerberatung und für Wohnungslose Beratung, Unterkunft und Betreuung durch das soziale Wohnservice angeboten. Durch die von der Stadt Wels betriebene Spielsuchtberatung soll präventiv der Hochverschuldung von Personen entgegengewirkt werden.

Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS)
Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS), die seit 2011 die Sozialhilfe ersetzt, gilt als zentrales Instrument zur Armutsvermeidung und Aktivierung betreffend Arbeitsmarktintegration. Die BMS soll dabei nicht nur eine Hilfe zur Bedarfsdeckung der notwendigen Bedürfnisse von Personen in Notlagen sein, sondern „Hilfe zur Selbsthilfe“ geben. Notlagen sollen überwunden und eine nachhaltige Stabilisierung erreicht werden.

Rund die Hälfte der BMS-beziehenden Personen in Oberösterreich lebt in den Statutarstädten.

Initiativen der Stadt:
Im Rahmen der Armutsbekämpfung steuert die Stadt Wels, unter anderem auch durch die Vergabe von Weihnachts- und Heizkostenzuschüssen, der Armut ihrer Bürger entgegen.

Ausgaben der Stadt Wels im Bereich Armutsbekämpfung
Im Jahr 2015 betrugen die Ausgaben der Stadt Wels zur Armutsbekämpfung 24,2 Mio. Euro, das entspricht 35,1 Prozent des Sozialbudgets. Über 95 Prozent davon sind gesetzlich vorgegeben, las-sen der Stadt Wels also wenig Spielraum. Der größte Teil fließt in die Welser Seniorenheime, nämlich 2015 knapp 17 Mio. Euro. Etwa 2,9 Mio. Euro wurden für die Bedarfsorientierte Mindestsicherung ausgegeben. Insgesamt sind die Ausgaben zur Armutsbekämpfung seit 2011 zurückgegangen, wobei der Anteil der Kosten für Integration allerdings auf knapp 312.500 Euro gestiegen ist.

Information, Beratung und Unterstützung armutsgefährdeter Menschen: Vielfältiges Angebot
Die Analyse der Situation in der Stadt Wels macht deutlich: Wels verfügt über ein gut ausgebautes Netz an Beratungs-, Informations- sowie Unterstützungsangeboten für armutsgefährdete Menschen. Da es sich dabei um eine sehr heterogene Gruppe – von alleinerziehenden Müttern über Arbeitssuchende oder geringfügig Beschäftigte bis hin zu Wohnungslosen – handelt, sind unterschiedliche Angebote erforderlich. Dem wird die Stadt Wels mit einer entsprechenden Bandbreite an Angeboten gerecht. Neben diesen spezifischen Angeboten ist jedoch auch die Leistbarkeit von sozialen Dienstleistungen und Angeboten – etwa im Freizeitbereich – aber auch des Wohnens ein relevantes Thema.

Zukunftsoptionen – Armutsbekämpfung auf kommunaler Ebene
Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung bleiben auch in den kommenden Jahren ein Thema. Für die Stadt Wels gibt es dazu folgende Optionen: Verbesserung der Datenlage hinsichtlich der Betroffenen, um möglichst zielgruppenorientiert agieren zu können: Eine aussagekräftige Sozial- und Armutsberichterstattung ist die Basis für eine lebenslagenorientierte kommunale Armutspolitik;
Vermeidung und Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung als Ziel eines „Sozialen Wels 2030“; Weiterentwicklung des Quartiersmanagements bzw. der Sozialraumorientierung als Basis für koordinierte Präventionsmaßnahmen im Sinne eines ganzheitlichen Konzeptes; Förderung von Freiwilligenengagement, Nachbarschaftshilfe und dergleichen: Damit Nutzung von Ressourcen im unmittelbaren Umfeld von Betroffenen in Ergänzung zu bestehenden Angeboten; Bessere Vernetzung der Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebote – etwa für Jugendliche im Bereich der Bildung und Arbeitsmarktintegration.

Kinder- und Jugendhilfe

Welser Kinder und Jugendliche in Zahlen
Insgesamt lebten im Jahr 2015 in Wels 12.732 Personen unter 19 Jahren, das sind 20,6 Prozent der Bevölkerung. Fasst man den Jugendbegriff weiter, können auch die 20- bis 29-Jährigen, das sind in Wels 8.773 Personen (14,2 Prozent), dazu gezählt werden. Ein Teil der unter 19-Jährigen wächst unter schwierigen Bedingungen, oftmals in belasteten Familienverhältnissen auf, was eine Unterstützung bzw. Hilfe durch die Abteilung der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wels erforderlich machen kann.
Eine ‚Unterstützung zur Erziehung‘ (§44 OÖ. KJHG: „Alle Maßnahmen, die im Einzelfall die bestmögliche und verantwortungsbewusste Erziehung des Minderjährigen durch die Erziehungsberechtigten fördern. Diese Hilfsangebote sollen vor allem dazu dienen, die Voraussetzungen für die Erziehung des Minderjährigen in der eigenen Familie zu verbessern.“) wurde 2015 316 Kindern und Jugendlichen gewährt, in 102 Fällen war es die ‚Volle Erziehung‘ (§45 OÖ. KJHG: „Wenn Angebote und Vereinbarungen zur Verbesserung der Familiensituation nicht ausreichend sind und das Kind oder der Jugendliche weiter gefährdet ist, können Kinder und Jugendliche in Wohngemeinschaften oder anderen sozialpädagogischen Einrichtungen (z.B. Kinderdorf) sowie bei Pflegefamilien aufgenommen werden.“) Bei beiden Formen ist die Tendenz steigend, was allerdings auch die reformierte gesetzliche Grundlage zurückzuführen ist.

Zusätzlich leistet die Stadt Prävention in zwei wesentlichen Bereichen:

• UdE (Unterstützung der Erziehung): Bei der UdE muss die Kinder- und Jugendhilfe auf Grund ihres gesetzlichen Auftrages ggf. auch gegen den Willen der Eltern bzw. sonstiger mit der Pflege und Erziehung betrauter Personen tätig werden, weil eine Kindeswohlgefährdung gegeben ist.
• HbF (Hilfe in belasteten Familiensituationen): Familien erhalten auf freiwilliger Basis eine individuelle, einzelfallbezogene präventive Leistung. HbF ist keine Erziehungshilfe, da keine Kindeswohlgefährdung gegeben ist. Will die Familie die Leistung nicht mehr in Anspruch nehmen, ist dies zu akzeptieren.
 
Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wels:
Die rechtliche Grundlage für die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wels stellt das ‚OÖ Kinder- und Jugendhilfegesetz 2014‘ dar, in dem unter anderem Rahmenbedingungen für den gezielten Einsatz sekundärpräventiver Hilfen geschaffen wurden. Kernstück ist die Entkoppelung von Hilfebedarf und Kindeswohlgefährdung. Befragte Experten geben ein durchaus positives Bild der Kinder- und Jugendhilfe in Wels wieder: Dadurch, dass Maßnahmen bereits vor der eigentlichen Kindeswohlgefährdung angesetzt werden können, werden sozial benachteiligte Kinder und Familien bei der Teilnahme am wirtschaftlichen und sozialen Leben in der Stadt Wels unterstützt. Seitens der Abteilung ‚Kinder- und Jugendhilfe‘ des Landes Oberösterreich besteht der Eindruck, dass dieser offene, weniger eng gefasste Zugang in Wels gut gelebt wird.

Umfassendes Informations- und Beratungsangebot
Positiv hervorzuheben ist für Wels das umfassende Angebot im Bereich der Information und Beratung, das als gut ausgebaut bezeichnet werden kann. Optimierungspotenzial ist hinsichtlich des Bekanntheitsgrades der Angebote bei Betroffenen, insbesondere bei den Jugendlichen selbst, zu konstatieren. So wissen laut einer von der FH Oberösterreich 2016 durchgeführten Umfrage 40 Prozent der Welser Jugendlichen nicht, an wen sie sich bei Gewalt in der Familie wenden sollen. Auch bei anderen Themen zeigt sich, dass der Bekanntheitsgrad von Beratungs- und Unterstützungsangeboten noch erhöht werden könnte. Um Jugendliche besser zu erreichen, wäre der Einsatz neuer Medien anzudenken.

Initiativen der Stadt: Fokus auf Prävention
Auch der Präventionsgedanke wird in der Stadt Wels in Form von verschiedenen Angeboten umfassend gelebt. Die Angebote reichen von der Familienberatung - beginnend mit den präventiven Hausbesuchen durch eine Krankenschwester und eine Hebamme bei allen Neugeborenen – der Eltern- oder Mutterberatung – den Eltern-Kind-Zentren bis hin zum sozialpädagogischen Tageswohnen bzw. zur Nachmittagsbetreuung (in den Quartieren oder z. B. Salto für Kinder aus Time-Out-Klassen). Auch in der offenen Jugendarbeit, wie etwa Jugendstreetwork, wird wertvolle Sozialarbeit geleistet, die Jugendliche dort aufsucht, wo sie sich aufhalten.

Ausgaben im Bereich Kinder- und Jugendhilfe
Im Jahr 2015 beliefen sich die Gesamtausgaben der Stadt Wels für die Kinder- und Jugendhilfe auf 12,1 Mio. Euro inkl. Personalkosten, was einem Anteil von 16,6 Prozent am Sozialbudget entspricht. Davon sind rund 94 Prozent (11,4 Mio. Euro) Ausgaben mit gesetzlicher Verpflichtung, bei denen es kaum Handlungsspielraum für die Stadt Wels gibt. Innerhalb dieser 11,4 Mio. Euro haben Zahlungen an freie Träger, die gesetzlich verpflichtende Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe für die Stadt Wels erbringen, mit 9,7 Mio. Euro (85,2 Prozent) wiederum den größten Anteil.

Initiativen der Stadt: Zukunftsperspektive Sozialplanung
Ziel der Stadt Wels ist es, die Ressourcen des sozialen Umfeldes – wie etwa des Freiwilligenengagements – besser zu nutzen. Mit den bestehenden Ansätzen in der Quartiersarbeit (frühzeitige Erkennung der Problemlagen in den Stadtvierteln und Siedlungen) wurden bereits wertvolle Grundlagen geschaffen, um eine Sozialplanung „Soziales Wels 2030“ weiterzuentwickeln.



Text- und Bildquelle: Stadt Wels

 



FPÖ-Wels, am 22.05.2017





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